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„Besuchszeit”

Anlässlich des 70. Geburtstages von Felix Mitterer brachte die österreichische Länderbühne in diesem Jahr dessen Stück „Besuchszeit” auf die Bühne. Das Werk besteht aus den drei Einaktern „Man versteht nichts”, „Verbrecherin” und „Weizen auf der Autobahn”. Dabei wird der Zuseher jedes Mal zu einer anderen Besuchszeit entführt: Erst ins Krankenhaus, wo nicht nur die Unwissenheit und Ohnmacht der kranken Ehefrau ihre Krankheit betreffend thematisiert wird, sondern auch die Hilflosigkeit und Unselbständigkeit des allein zuhause gelassenen Ehemannes.

Besuchszeit ist auch - im zweiten Einakter – im Gefängnis. Wieder ist der Ehemann der Besucher, doch die Situation gestaltet sich ganz anders: Die Ehefrau wurde zur Kriminellen, weil sie versucht hat den Mann zu erstechen, dessen Lieblosigkeit, Alkoholismus und Nörgelei sie zu diesem Akt der Befreiung getrieben haben. Denn paradoxerweise fühlt sie sich erst hier - kontrolliert und hinter Gittern – erstmals wieder frei.

Im letzten Einakter, dessen Schauplatz die Psychiatrie ist, hat Mitterer den Generationenkonflikt und das Unverständnis, das zwischen den Alten und Jungen herrscht, aufgegriffen. Dieser Konflikt wird zusätzlich durch die unterschiedlichen Vorstellungen eines idealen Lebens (ein einfaches, arbeitsreiches Leben am Bauernhof oder als reicher Hotelbesitzer?) geschürt. Pani Stamatopolos und sein dreiköpfiges Schauspieler-Team (Martina Mitterer, Raoul Alexander Rettberg und Karl Schleinzer) kommen wie immer ohne aufwendiges Bühnenbild aus, schaffen es aber trotzdem sowohl die bedrückende Atmosphäre in den Anstalten als auch die vielschichtigen Charaktere, von denen ein jeder sowohl Opfer als auch Täter, schuldig und schuldlos ist, mitreißend und eindringlich zu vermitteln.

„Es gibt keine bösen Menschen, es gibt nur unglückliche” meinte Felix Mitterer, in „Besuchszeit” wird das bestätigt.